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Erdbeben - Schiksal oder Zufall?


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Kurze Beschreibung ihrer Frage: 
wenn wir sagen würden, dass eine Naturkatastrophe wie z.B. ein Erdbeben zum Schiksal gehört, braucht man dann überhaupt noch Vorkehrungen treffen? Wie betrachtet man z.B. ein Erdbeben aus dem Aspekt des Schicksals und wie sollte man sich dazu verhalten?
Antwort: 

Liebe Leserin, lieber Leser

 

Ob ein Erdbeben zum Schicksal gehört oder nicht, ist hier die Frage. Hierzu sollte man sich zunächst kurz nochmal vor Augen führen was "Schicksal" eigentlich bedeutet. Verkürtzt dargestellt beschreibt der Term "Schicksal" dass alles Geschaffene und jede Situation, mitsamt aller Details im zeitlosen Wissen Gottes vorhanden ist und dementsprechend bestimmt und geschaffen wird. Jedes Geschehnis ist "vorbestimmt", also ihr Ort und Zeitpunkt ist von Anfang an ("Azalī") bestimmt. Sowie Gott über alles was im Kosmos geschieht Bescheid weiß, so wird Gott auch über alles was geschehen wird Bescheid wissen. Etwas was außerhalb diesem göttlichen Wissens geschieht, ist undenkbar. Was auch immer passiert, geschieht innerhalb diesen Grenzen des göttlichen Wissens, welchen wir verkürzt als "Schicksal" benennen. Im Kosmos gibt es kein Zufall, es gibt die Fügung. Die Tatsache des Schicksals, welcher alle Dimensionen überdeckt, lässt keinen Raum für einen Zufall.

 

Ein Erdebeben ist eine Tat. Wie jede Tat, weist auch diese Tat auf ihren Täter hin. Gott, der die Welt aus dem Nichts erschafft, sie um die Sonne wandern lässt, innerhalb eines großen ökologischen Systems die Gezeiten verändert, Pflanzen, Tiere und Menschen auf der Erde erschafft, unzählige Sachen zeitig unbeirrt und mit perfekter Präzision betätigt und mit einer unendlichen Fähigkeit und Willen, durch die wundersame Konstellation von Atomen unglaubliche Kunstwerke kreirt, soll etwas Wichtiges wie ein Erdbeben welches in seinem Hab und Gut stattfindet und etwas darstellt was die Menschen von nächster Nähe betritt, nicht wahrnehmen, sie außerhalb seines Willens beobachten, sie ignorieren und sie dem Zufall überlassen? Dies erscheint bei solch einer Typologie Gottes höchst unlogisch und atypisch.

 

Wie jedes Geschehnis im Kosmos, ist auch jedes Erdbeben Gott bekannt und wird von Gott ausgeführt, Elemente wie etwa wann und wo das Erdbeben stattfinden wird, wer dabei sterben und wer dabei überleben wird, sind mitsamt all ihrer Details Gott bekannt, sie sind also Schicksal.

 

Nachdem wir diese elemantare Glaubenswahrheit uns nochmal vor Augen geführt haben, widmen wir uns einem anderen Aspekt zu.

 

Man könnte den Gedanken hegen, das Prinzip des Zufalls lebendig zu halten, nicht um die Wahrheit des Schicksals leugnen, sondern vielmehr um die Leute zu mehr Vorkehrungen zu animieren. Spezielle Einrichtungen in Gebieten die ein erhöhtes Risiko für Erdbeben erweisen zu errichten, das Risiko des Erdbebens allgegenwärtig zu halten, bei Bauten Material benutzen welches tauglich gegenüber Erdbeben ist, sind Vorkehrungen die bei solchen Katastrophen den Schaden um einen gewissen Anteil reduzieren können. An dieser Stelle ist es wichtig auf die Vernachlässigung (bzw. Vernachlässiger) dieser Vorkehrungen aufmerksam zu machen.

 

Die grobe Einteilung bzw. Auffassung sich blind einem Glauben an Schicksal anzuvertrauen und Leuten die Schutzvorkehrungen treffen mit der Beschuldigung "das Schicksal verändern zu wollen" anzugreifen, ist eine nichtige und falsche Auffassung. Das Prinzip des Anvertrauens ("Tawakkul") im Islam bedeutet nicht, ohne jegliche Vorkehrungen auf das Ergebnis zu warten, sondern erst nachdem alle Ressourcen zur Handlung erschöpft sind, das Ergebnis zu erwarten und sich diesem anzuvertrauen. Also nach der Erschöpfung der Möglichkeiten, das Ergebnis von Gott zu erwarten. Denn das Zusammenkommen der Ressourcen garantiert als solches noch kein Ergebnis, solch eine Regel lässt sich nicht beobachten. Ressourcen und Ursachen, kreieren kein Ergebnis, sie sind als Träger zu verstehen. Welche Vorkehrungen man auch immer treffen mag, es ist trotzdem Gott, der die Resultate kreiert.

 

Ob Vorkehrungen getroffen werden oder nicht, in beiden Fällen sind die Geschehnisse Schicksal. Man "verletzt" nicht etwa das Prinzip des Schicksals durch das Treffen von Vorkehrungen. Ein Schiff welches seine Route verändert, ist noch immer im Ozean, es verlässt durch die Veränderung der Route nicht den Ozean. Dies kann man als Metapher für die Situation des Menschen im Rahmen des Schicksals betrachten. Der Mensch ist ein Schiff im Ozean des göttlichen Wissens. Das Treffen von Vorkehrungen führt nicht zum Austritt dieses Ozeans des göttlichen Wissens. Das Schicksal mit einer Ablehnung von Vorkehrungen gleichzusetzen und jene Vorkehrungen dann als "Befreiung" vom Schicksal anzusehen, hat nichts mit einem rechtgeleiteten Verständnis von Schicksal zu tun.

 

Zustände variieren, das Schicksal jedoch nicht. Wenn eine arme Person durch harte Arbeit reich werden würde und behaupten würde sein Schicksal verändert zu haben, so wäre diese Aussage nichtig, denn sein Zustand hat sich verändert, der Zustand der Armut ist gewichen und wurde durch den Zustand des Wohlstands ersetzt. "Mein Schicksal war es zunächst arm zu sein, später reich zu werden" wäre in diesem Rahmen die richtige Aussage.

 

Eine Annahme wie etwa "sofern du an Schicksal glaubst, lässt du jegliche Vorkehrungen fallen", ist nicht im Sinne der Lehre des Islams. Ganz im Gegenteil lehrt uns der Islam zuerst seine Vorkehrungen zu treffen und erst dann sich dem Schicksal anzuvertrauen.

Ein Vers im Qurʾān spricht hierzu einen sehr eindeutigen Befehl aus:

Oh ihr Gläubigen, trifft eure Vorkehrungen.. (Sura an-Nisāʾ 71)

 

Selam & Dua

Fragenandenislam - Team

 

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