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Was bedeuten diese Zahlen bei den Gebeten?


YazdırEinem Freund senden
Kurze Beschreibung ihrer Frage: 
In manchen Gebetsformeln kommen Zahlen wie 33 oder 4444 vor. Warum kommen diese Zahlen vor und wie kann man es verstehen, dass es um ganz genaue Zahlen geht?
Antwort: 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

der ehrenwerte Prophet (s.a.s.) spricht von Gebeten, Huldigungen und Rezitationen die in bestimmten Abfolge und Zahl abgehalten werden sollen. Dies entsprechend sich zu verhalten entspricht demnach der Sunna.

So wie materielle Schlösser für sie speziell angefertigte und genau darauf passende Schlüssel haben, so haben auch manche spirituelle Wahrheiten wie eben jene Schlösser ein für sie passenden Schlüssel.

Damit manche spirituelle Wahrheiten sich entfalten ist es angemessen, dass einige Gebetsformeln in bestimmter Abfolge und Zahl ausgesprochen werden. Wenn man etwas anderes beabsichtigt kann die Entfaltung jener spiritueller Wahrheiten nicht stattfinden. Falls beim Rezitieren aber ein Fehler durch Vergesslichkeit vorkommt, erhoffen wir, dass die Barmherzigkeit Gottes dies verzeiht.

Außer bei speziellen Anweisungen wie z.B. 4444 Tafridjiyya, 41 Yasin oder die 33 Tasbih nach dem Gebet, gibt es keine festen Anweisungen oder Empfehlungen bezüglich der Bittgebete oder ähnlichem. Der Glaubende kann so viel beten und rezitieren wie er vermögen mag. Wenn der Glaubende ohne entsprechende Textbelege etwas anderes von sich aus behauptet und etwa sagt „dieses Gebet muss so und so oft verrichtet werden“, begeht er damit einen Fehler, da er etwas von sich der Religion beifügt. Sofern jemand nicht diese Absicht pflegt und auf eigene oder Erfahrungen anderer bezogen etwas sagt wie „Die Verrichtung des Gebets in dieser Menge hat geholfen“, lässt er sich diese Schuld nicht zukommen.

Die Pflicht eines Gläubigen ist es dem Beispiel des Propheten (s.a.s.) zu folgen und unser Leben durch seine Sunna zu beehren. Der Gläubige wird mit vielen Textstellen dazu angehalten zu beten und zu huldigen. Gebetsformeln und Segenssprüche die auf unseren Propheten gesprochen werden oder im Gebet rezitiert werden sind einige von ihnen. Bei der Verrichtung dieser göttlichen Pflichten darf man niemals eine Gegenleistung oder Vergütung verlangen.

Leider kommt es aber oft vor, dass die Gläubigen sich in dieser Angelegenheit verirren und anfangen zu beten, mit der Erwartung, dass sie dafür im Diesseits eine Art Gegenleistung erfahren werden. Dann kommt folgende Frage auf:

Gibt es eine Möglichkeit durch unsere Gebete eine direkte Gegenleistung im Diesseits zu erwirken? Gibt es einen Ausspruch oder Beschluss in der Religion diesbezüglich?

Damit man dieser Frage gebührend entgegnen kann ist es wichtig und notwendig, sich daran zu erinnern, dass es sich nach wie vor um Gebete handelt und ihre Entlohnung ist primär im Jenseits zu erwarten.

Die verschiedensten Gebete die wir verrichten, stellen einen Akt des Gottesdienstes dar. Die Erfüllung und Belohnung der Gottesdienste wird im Jenseits ihre Vollendung finden, selbst wenn wir manchmal bereits im Diesseits vergleichsweise kleine Gnadengaben dafür erfahren. Daher kann man auch nicht sagen oder in Unmut darüber verfallen, dass die eigenen Gebete nicht erhört oder erfüllt werden, nur weil es im Diesseits keine umgehende Quittierung gab. Man lenkt seinen Blick auf das Jenseits und die dortige Erfüllung aller Hoffnungen und Erwartungen, so verrichtet der Glaubende weiterhin seinen Dienst.

Es gibt also keinen religiösen Beschluss, der es einem Gläubigen verspricht, dass mit welcher Intention auch immer, die Verrichtung von Gottesdiensten auch genau und sofort zur Erfüllung dieser Intentionen führen wird. Der Gläubige kann also im Angesicht einer Schwierigkeit, Krankheit etc. nicht seine Gebete als ein sofort wirkendes Wundermittel betrachten. Genauer gesagt sind es gerade die Momente der Schwierigkeit und der Krankheit, die dem Gläubigen daran erinnern sollen, dass die Zeit der Gebete kommt. Der Gelehrte „Bediüzzaman“ Said Nursi sagt dazu folgende wichtige Worte: „Das Gebet ist ein Gottesdienst! Der Diener ruft mit seinen Gebeten seine Ohnmacht und Hilflosigkeit aus. Die äußeren Umstände sind eben die Zeiten für diese Gebete! Sie sind nicht der tatsächliche Nutzen dieser Gebete. Die Nutzen der Gebete liegen im Jenseits. Man kann nicht sagen, dass die Gebete nicht erfüllt worden sind, wenn die diesseitigen Nutzen nicht eintrafen. Wenn überhaupt zeigt dies, dass die Zeit der Gebete noch nicht vollendet ist und man weiterhin beten soll.

Es darf uns daher nicht passieren, dass wir unsere Gebete zweckentfremden und zu einer Art Vehikel umwandeln, mit denen es uns nur darum geht, die eigenen Ziele und Nutzen zu erwirken. Auch sollten wir uns davor hüten, das diesseitige Geschehen als Beweismittel für die Erfüllung unserer Gebete und Gottesdienste zu sehen. Da sie das eindeutig nicht sind und niemals sein können, laufen wir in die Falle Missmut und Hoffnungslosigkeit aufzubauen, denn wir würden an der falschen Stelle suchen.

Trotzdem gibt es Überlieferungen von wichtigen Gelehrten zu Gebeten und deren Zahlen. Man spricht hier aber von Hoffnungen und nicht von Garantien. Es handelt sich aber dennoch um Gebete, also einen Gottesdienst, deren Zweck es ist und sein sollte, unabdinglich Gott zu verehren. Wenn man die vorgegeben Anzahl nicht erreicht, heißt dies noch nicht, dass der Gläubige schwach im Herzen und im Glauben ist und etwas falsch gemacht hat. Wer mit reinem Herzen und ohne Erwartung sich an Gott wendet, der wird im Jenseits mit Gottes Gnade gesegnet sein. Dies ermöglicht dem Gläubigen auch in jeder Situation Hoffnung zu schöpfen und sich Gott anzuvertrauen. In diesem Herzen findet Missmut keinen Platz und das ist das Wichtigste denn Missmut befleckt und zerreißt dieses Band. Der Gläubige muss in seinen Gebeten also immer bemüht und unabdinglich sein, unabhängig davon was in seinem Umfeld und in der materiellen Welt geschieht.

 

Selam & Dua

Fragenandenislam - Team

 

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